Chronik

Chronik

der
Freiwilligen Feuerwehr
Burg – Gräfenrode
1951 – 2001 von Winfried Danz

Bei der Überlegung zur Erstellung dieser Chronik sucht man gerne nach Orientierungshilfen. Einerseits stellt sich die Frage, ist die Feuerwehr in Burg – Gräfenrode wirklich erst 50 Jahre alt? Andererseits was passierte in grauer Vorzeit? Wie verhielten sich die Bürgerinnen und Bürger damals?

Feuer und die damit verbundenen Probleme gab es schon immer.

Lassen Sie mich deshalb erst einmal etwas ausholen um Ihnen verehrte Leserin, verehrter Leser zur Geschichte des Feuers zu berichten.

Im Alten Testament stehen die bezeichnenden Worte „Das Land ist wüst…eure Städte sind mit Feuer verbrannt“ (Jesaja 1,7).

Als der britische Archäologe Professor Garstang in Jericho, einer der ältesten uns bekannten Städte, seine Ausgrabungen beendet hatte, notierte er in seinem Expeditionsbericht : Man sieht deutliche Spuren eines gewaltigen Brandes, geschwärzte kompakte Ziegelmassen, geborstene Steine, verkohltes Holzwerk und Asche. Die Häuser sind längs der Mauer bis auf die Fundamente ausgebrannt, die Dächer über dem Hausgerät eingestürzt.

Siebentausend Jahre vor Christi Geburt hatte Jericho schon existiert. Und im 13.Jahrhundert vor Christus widerfuhr ihr das, was der Prophet Josua mit den Worten schilderte: „Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles was darin war“.

Die Anfänge des Feuerwehrwesens liegen im dunkeln. Es wird in alten Aufzeichnungen darauf verwiesen, daß es im alten Ägypten, anfangs auch in Rom private Sklavenfeuerwehren gegeben haben soll.

Rom, die Ewige Stadt am Tiber, war ursprünglich eine ebenso armselige, hutzelige und verbaute Ansiedlung wie jede unserer deutschen Großstädte anfangs auch. Dementsprechend brannte Rom des öfteren vollständig ab.

In der Römerfeste Cetium versah der Legionärführer Florianus seinen Dienst. Er sympathisierte heimlich mit dem Christentum. Eines Tages sollte er einen Sonderbefehl des Kaisers zum Thema Christenverfolgung ausführen. Dies brachte ihn in schwere Gewissenskonflikte. Er warnte die betreffenden Soldaten, mißachtete den kaiserlichen Befehl und wurde mit dem Tode bestraft. Später wurde er als christlicher Märtyrer heilig gesprochen. Floriansfiguren sind weit verbreitet, am 4.Mai ist Florianitag.

Auch kennt man den Spruch „Lieber Heilger Florian, beschütz mein Haus, zünd andre an!“

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Dem Heimatbuch von Burg – Gräfenrode das von Wilfried Rausch erstellt wurde können wir entnehmen, daß 1767 ein Erlass des Landgrafen Ludwig VII. die Ausbildung der Wehren auf einen einheitlichen Ausbildungsstand forderte. Die Hochfürstlich-Hessen-Darmstädtische Feuerordnung wurde erlassen und nach ihr auch verfahren. 60 Paragraphen regelten in allen Einzelheiten, was nach Ausbruch eines Brandes zu tun sei. Sie schrieb den Gemeinden die Bestellung von Spritzenmeistern (zwei pro Spritze) vor, außerdem sollten in jedem Dorf bestimmte Leute ernannt werden, die im Brandfall „das Wasser herzuleiten und stemmen, Leytern und Haaken herbeybringen, das Wasserschöpfen veranstalten, die brennenden Gebäuden besteigen oder niederreissen, um das Feuerwacht halten, denen Bedrängten beystehen, die geflüchtete Sachen bewachen, und durch Patrouilliren alle Unordnungen, auch Diebstähle verhüten, damit sogleich ein jeder sich auf seinem Posten einfinden, und was er zu thun habe wissen könne.

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In alten Gemeinderechnungen von 1847 und 1848 wird die Besoldung zweier Spritzenmeister ausgewiesen. Ein kleines Spritzenhaus stand bis 1910 neben unserer Dorfkirche, es wurde abgerissen und auf dem Friedhof als Leichenhalle wiederaufgebaut wo es bis in die sechziger Jahre seinen Dienst versah. Nach 1870/71 entstanden in der Wetterau zahlreiche Freiwillige Feuerwehren. Im Adressbuch für die Stadt Friedberg, Bad Nauheim nebst Kreis Friedberg“ von 1906 erfahren wir, daß Burg – Gräfenrode zu diesem Zeitpunkt eine Freiwillige Feuerwehr besaß. Der damalige Hauptmann hieß Georg Reß.

Ein Feuer wurde in damaliger Zeit bei einer eigens dafür eingerichteten Feuermeldestelle gemeldet. Hier im Ort war es damals der Schmied Vetter in der Berliner Straße. Feueralarm wurde mittels der Glocke und dem Horn gegeben. Die Signale wurden von einem speziell ausgebildeten Hornisten geblasen. Die verschiedenen Signale lauteten:

· Feuer im Ort

· Feuer außerhalb

· Angriff

· Zurück

· Gefahr usw.

Um 1913 wurde die freiwillige Feuerwehr in eine Pflichtfeuerwehr umgebildet. Die Hintergründe hierzu sind unbekannt.

Hauptmann dieser Pflichtfeuerwehr war um 1914 Alfred Kuhwede. Er leitete die Wehr durch den 1.Weltkrieg hindurch. Auch in der Weimarer Republik (1919 – 1933) bestand in Burg – Gräfenrode eine Pflichtfeuerwehr. Bis 1941 war Otto Müller der Leiter der Feuerwehr der im gleichen Jahr durch Adolf Moscherosch abgelöst wurde, der dieses Amt bis 1945 innehatte.

Insgesamt gesehen waren es schwierige Jahre. Die Gemeinde hatte 1939 eine Motorspritze zum Anhängen an Traktoren angeschafft, doch machte der Mangel der an der Front befindlichen und gefallenen Männer sich stark bemerkbar. Die Einwohnerzahl betrug damals gerade um die 500.

Durch diese äußeren Umstände wurden viele Frauen verpflichtet. Anstelle des Signalhorns trat eine Handsirene.

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Kurz nach dem zweiten Weltkrieg übernahm Jakob Büttner die Leitung der Pflichtfeuerwehr.

Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Burg – Gräfenrode war am

Mittwoch 21. Februar 1951 um 20 Uhr !

Die Gründungsversammlung fand in der Gastwirtschaft Dörr statt. Vonseiten des Kreisfeuerwehrverbandes Friedberg waren hierzu Kreisbrandinspektor Häuser, Kreisverbandschriftführer Kammer sowie Herr Billach erschienen. Einziger Tagesordnungspunkt war die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Im Vorfeld hatten sich bereits eine große Anzahl von Pflichtfeuerwehrmitgliedern zum freiwilligen Dienst durch ihre Unterschrift bereit erklärt. In den „Gründungsvorstand“ wurden gewählt:

· 1.Kommandant Jakob Büttner

· Stellvertreter Alfred Papst

· Schriftführer Richard Müller

· Kassierer Rudolf Kötter

· Beisitzer Heinrich Veith

Wilhelm Vetter

Fritz Beck

· Gerätewart Wilhelm Vetter

Die erforderlichen Gruppenführer wurden später durch ihre Gruppe selbst gewählt.

Die spätere Gruppeneinteilung wird in den vorliegenden Unterlagen

Folgermaßen ausgewiesen:

Gruppe I – Motorspritze Gruppe II Hydrantentrupp

Heinrich Veith, Gruppenführer Wilhelm Vetter, Gruppenführer

Alfred Papst, Stellvertreter Heinz Breidert, Stellvertreter

Werner Meisinger Fritz Rahn

Fritz Beck Anton Wilfling

Erwin Bruckner Karl Marquardt

Kurt Steuernagel Karlheinz Fritz

Waldemar Hahn Karl Heß

Adolf Dörr Erich Hahn

Heinrich Heß Herbert Krause

Sanitäter Herr Ambron und Herr Dotzhauer

Gruppe III – Angriffstrupp

Karl Schmidt, Gruppenführer

Friedel Vetter, Stellvertreter

Ernst Medrow

Karl Barth

Richard Moscherosch

Alfred de Benodetto

Richard Müller

Erich Sommer

Wilhelm Simon

Der Beginn dieser neuen Feuerwehr war sehr mühsam. Geräte mußten nach und nach neu beschafft werden, zumal man auf Grund der kleinen Gemeinde und eines geringen Steueraufkommens keine allzu großen Anschaffungen tätigen konnte. Ältere Ausrüstungsgegenstände waren im kleinen Umfang von der Pflichtfeuerwehr noch vorhanden. Die neue Feuerwehr steuerte aus eigenen Mitteln einiges hinzu. Im übrigen hat sich dies bis heute fortgesetzt. Aus den alljährlich erwirtschafteten Überschüssen sind schon stolze Beträge in die Beschaffungsmaßnahmen der Einsatzabteilung eingeflossen. Dennoch hier einige Zahlen aus den Kassenberichten vergangener Jahre:

Die Einnahmen 1952/53 werden mit DM 478,00, die Ausgaben mit 301,66 angegeben. Als Kassenbestand waren am 8.Mai 1953 DM 176,34 vorhanden.

Dem Schreiber dieser Chronik lag aus den ersten Gründungsjahren nur das Kassenbuch vor, so daß eine geschlossene, zusammenhängende Chronik aus dem Protokollbuch leider nicht möglich ist.

Zahlreiche Veranstaltungen prägten in den Folgejahren auch das Vereinsleben. Zu nennen sind hier ein Feuerwehrball am 13.März 1954,

ein Wunschkonzert am 12.März 1955. Die Feuerwehr pflegte damals wie heute eine ausgezeichnete Harmonie und ein ausgeprägtes Vereinsleben.

Um nach außen hin auch als Feuerwehr zu gelten, unternahm die Wehr im Jahre 1956 eine Haussammlung innerhalb der Gemeinde, in der sich auch die Gemeindevertretung finanziell engagierte. Es konnten dadurch 20 Uniformröcke,
14 Mützen, 20 Schulterstücke sowie 20 Koppel und Schlösser angeschafft werden. Das Vereinsvermögen sank auf DM 84,94.

Die Uneigennützigkeit der Feuerwehrmitglieder wurde auch in der Jahreshauptversammlung am 28. Juni 1957 bewiesen wo man unter dem Punkt Verschiedenes auf einen Ausflug verzichtete und statt dessen für dieses Geld
Uniformstücke kaufte. Bei dieser Versammlung waren 35 Feuerwehrkameraden anwesend.

Am 22. April 1958 fand die Jahreshauptversammlung im Gründungslokal Dörr statt. Hierzu waren 31 Kameraden erschienen. Den Jahresbericht erteilte der Ortsbrandmeister und späterer Ehrenkommandant Jakob Büttner. Der
Jahresbeitrag von DM 6,00 bliebt unverändert. Im Jahr 1957 hatte eine Gruppe der Wehr an den Leistungswettkämpfen teilgenommen. Die Versammlung honorierte dieses Engagement mit DM 30,00. In gleicher Versammlung beschloß
man weitere Kleidungsstücke zu kaufen.

Die Geselligkeit sollte bei dem 1958 stattfindenden Ausflug auf alle Einwohner ausgedehnt werden. Für die Gestaltung und Ausrichtung zeichneten die Kameraden Günther Büttner und Winfried Meisinger verantwortlich.

Auch im Jahre 1958 nahm wiederum eine Gruppe der Wehr an den Leistungswettkämpfen teil.

Nach der am 7.Mai 1960 durchgeführten Jahreshauptversammlung setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:

· Jakob Büttner Ortsbrandmeister

· Fritz Rahn Stellvertreter

· Alfred Simon Schriftführer und Kassierer

· Adolf Dörr Beisitzer

· Heinrich Otto Beisitzer

· Karl Heß Zeugwart

· Erika Heß Unterkassierer

Das Jahr 1963 war von einigen Ereignissen geprägt. Die Wehr nahm am Festzug der Freiwilligen Feuerwehr Okarben und dem des Gesangvereins „Heimatliebe“ in Burg-Gräfenrode teil. In der Generalversammlung am 10.Mai 1963 übernahm Karl Heß das Amt des stellvertretenden Ortsbrandmeisters. Am 20. Juli 1963 fand ein Familienabend der Wehr statt.

Karl Heß neuer Ortsbrandmeister meldeten die Tageszeitungen nach der Generalversammlung vom 22. Februar 1964. Sein Stellvertreter wurde Otto Heinrich. Die Ehefrau von Karl Heß -Erika- wurde Schriftführerin und Kassiererin. Die Wahlen leitete Alfred Papst. In einer außerordentlichen Generalversammlung am 26.3.1964 wurde der Beschluß gefaßt ein Fahrzeug zu kaufen, vorbehaltlich daß die Gemeinde Burg-Gräfenrode hierfür die
laufenden Kosten übernehme.

In gleicher Versammlung wurde der frühere Ortsbrandmeister Jakob Büttner zum Ehrenkommandanten ernannt.

Die Folgejahre waren durchsetzt von einem turnusmäßigen Rhythmus, der aus Sitzungen, Übungen, geselligen Veranstaltungen und gemeinsamen Fahrten usw. abwechselte.

Glücklicherweise wurde die Wehr durch größere Brände in der eigenen Gemeinde in all den 5 Jahrzehnten nicht gefordert.

In der Generalversammlung am 30. März 1968 wurde der Vorstand unter der Führung von Ortsbrandmeister Karl Heß in seinem Amt einmütig bestätigt. 1968 nahm die Wehr am Festzug der Freiwilligen Feuerwehr Gross-Karben
anläßlich des 75-jährigen Bestehens teil.

Niddawasser in Burg-Gräfenrode

Eine große Bezirksübung –leider war es auch in Burg-Gräfenrode die letzte- fand am 25. Juni 1972 um 9.00 Uhr statt. Ziel dieser Übung war es festzustellen in welcher Zeit man in der Lage wäre, Niddawasser nach Burg-Gräfenrode zu fördern.

Der Schreiber dieser Zeilen war an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Teilnehmer an dieser Übung waren die Stadtteilwehren von Niddatal, Karben und Wöllstadt. Neben der Ermittlung des Zeitbedarfs sollte auch festgestellt werden, ob man mit den vorhandenen Gerätschaften (Pumpen, Schlauchmaterial usw.) für einen Ernstfall gerüstet sei. Wenn man bedenkt, daß diese Strecke fast 2 km beträgt, dazu noch mit erheblichem Höhenunterschied, dann kann man sich vorstellen welche Arbeit zu leisten war. Nach 20 Minuten waren die beteiligten Wehren auf den vorgesehenen Positionen eingewiesen und selbst für „alteingesessene Roggauer“ war es fast unbegreiflich, daß Bachwasser für Übungs- und Löschzwecke verwendet wurde.

Allen Beteiligten wurde in der Abschlußbesprechung klar, daß nunmehr jedoch auch unter dem Einsatz von 12 Feuerwehren- Niddawasser zur Verwendung kommen kann. Bei einem Großfeuer würde das vorhandene Wasser aus dem Ortsnetz kaum ausreichen.

Anmerkung: 27 Jahre später – exakt am 28.Mai 1999- kam die große Flut in Form einer Schlammlawine dem Kaicher Weg herunter und verursachte sehr große Schäden.

Im Jahre 1973 knüpfte die Wehr erste freundschaftliche Bande zur Freiwilligen Feuerwehr Hirschbach/Oberösterreich unweit von Linz.

Zahlreiche gegenseitige Besuche haben und finden immer noch statt. Als Gastgeschenk überreichte die Hirschbacher Wehr 1975 ein handgemaltes Bild ihrer Heimatgemeinde das im Gerätehaus zu sehen ist.

Neben Hirschbach unterhält die Wehr regen Kontakt mit den Feuerwehren aus Saint Egreve und Ramonville, beide in Frankreich. Beide Städte sind Partnerstädte der Stadt Karben.

Die Aktivitäten der Wehr haben sich nach Eingliederung der Gemeinde Burg-Gräfenrode zur Stadt Karben am 31.12.1971 erweitert. Die Wehrmänner beteiligen sich an den Maßnahmen zum Brandsicherheitsdienst ebenso wie an laufenden Fortbildungsveranstaltungen.

Neues Feuerwehrgerätehaus

Die Einweihung des Feuerwehrgerätehauses am 27. September 1975 war ein weiterer großer Tag in der Feuerwehrgeschichte unserer Wehr. Mit erheblichen Mitteln wurde das vorhandene Gerätehaus neu konzipiert und auf den entsprechenden Stand gebracht. Dem Magistrat der Stadt Karben wurde während der Einweihung herzlichst gedankt.
Ehrung für Erika Hess

Während der Einweihungsfeierlichkeiten wurde auch eine Ehrung für eine Frau vorgenommen, die mehr als 2 Jahrzehnte im Dienste der hiesigen Feuerwehr stand.

Kreisbrandinspektor Günter Vogt, der die Glückwünsche des Kreisfeuerwehrverbandes im Wetteraukreis überbrachte, überreichte Erika Heß vom Deutschen Feuerwehrverband neben der Urkunde auch die Deutsche Feuerwehrmedaille.

Das 25-jährige Bestehen der Wehr wurde in der Zeit vom 4.-7. Juli 1976 im Rahmen eines großen Festes gefeiert. Ein Festzug wurde durchgeführt. Während den Festtagen stand ein Zelt neben dem Sportplatz.

Feueralarm am 30.11.1977. Um 4:22 Uhr wurde die Wehr zu einem Feldscheunenbrand gerufen, der mit 2 C-Rohren in kurzer Zeit gelöscht war.
Suchaktion eines Kindes

Erfolglos war die Suchaktion im April 1979 nach einem Roggauer Buben. Die Einsatzabteilung und zahlreiche Bürger beteiligten sich hierbei.

Im Jahre 1980 beschließt die Wehr –übrigens als einer der ersten im Wetteraukreis- den Kauf von 25 neuen Einsatzanzügen vom Modell Frankfurt am Main. Damit war unsere Feuerwehr in Bezug auf persönliche Schutzkleidung vielen anderen Feuerwehren in Hessen einen großen Schritt voraus. Auch heute noch ist diese Schutzkleidung aktuell.

Ehrenkommandant Büttner tot

Im April 1981 stirbt der langjährige Ortsbrandmeister und Ehrenkommandant Jakob Büttner.

Aus Vereinsgeldern wurde von der Feuerwehr Frankfurt im gleichen Jahr ein gebrauchtes LF16 gekauft, neu lackiert und 1982 in Dienst gestellt. Seine erste Bewährungsprobe absolvierte das Fahrzeug noch vor der Indienststellung anläßlich des Hochwassers in Okarben. Die Wehr kam zu einem weiteren Einsatz beim Hubschrauberabsturz der U.S. Air Force in Niddanähe. Grund war ein technischer Defekt, wobei Pilot und Co-Pilot schwer verletzt wurden.

Autolackiererei brannte

1982 kam unsere Wehr zum Einsatz in einer hiesigen Autolackiererei in der Burgstraße. Das neue LF16 leistete hierbei schon gute Dienste. Aus Vereinsmittel wurde ein weiteres Fahrzeug beschafft und umgebaut.
Brennender Kampfpanzer der U.S.Army

Einen Einsatz besonderer Art hatte unsere Wehr am 28.9.1983 in der Nähe des Selzerbrunnens. Die Löscharbeiten hierbei waren sehr schwierig, zumal der Kampfpanzer noch Munition bei sich führte, die nach und nach explodierte.

Im gleichen Jahr wurde Karl Heß für 20 jährige Wehrführerarbeit geehrt.

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Im Jahr darauf beschließt die Wehr den Kauf einer Vereinsfahne. Für die Kräfte der Einsatzabteilung gibt es neue Kleiderspinde.

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Nach 30-jähriger Vorstandsarbeit beendet Erika Heß ihre Tätigkeit und wird im Jahre 1985 zum Ehrenmitglied ernannt.

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Mit der Ernennung zum Ehrenwehrführer beendet Karl Heß seine Wehrführertätigkeit. Johann Polheim wird neuer Wehrführer, sein Stellvertreter ist Norbert Meisinger der im Jubiläumsjahr 2001 die Geschicke der Wehr leitet.

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Explosion bei König & Neurath

Im Holzspänebunker der Firma König & Neurath ereignete sich 1989 ein folgenschwerer Unfall bei dem 1 Mitarbeiter getötet und 2 weitere Mitarbeiter verletzt wurden. Der schwierige Einsatz dauerte 4 Tage.

Während einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird der Beschluß gefasst, 20.000 DM zur Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs bereitzustellen.

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In den Folgejahren 1990 / 91 findet der Bau und die Einweihung des heutigen Gerätehauses statt. Die Wehr bezieht Quartier bei Landwirt Karl Vollmar im Weedgraben. Der Winter wurde so kalt, daß die Wasservorräte in den Fahrzeugen gefrieren.

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Einzug in das neue Gerätehaus

Verbundenheit und Treue zum alten Standort zeigte die Feuerwehr mit dem Teilabriß und Neubau des Gerätehauses. Am 27. Juli 1991 war es dann soweit, daß die Wehr bei strahlendem Sonnenschein ein neues Gerätehaus

und auch noch ein neues Löschfahrzeug LF8/6 erhielt. Die Kameraden aus Hirschbach/Österreich waren mit den anderen Stadtteilwehren angetreten.

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Auch im Jahr 1992 wurden wieder durch unseren Verein große Anschaffungen getätigt. Eine Einbauküche wird installiert, das Büro mit Möbeln ausgestattet und kleine Umbauten im Treppenhaus vorgenommen.

1994 Trennung zwischen Wehr und Feuerwehrverein

Mit der Trennung von Feuerwehr und Feuerwehrverein und der entsprechenden Satzungsänderung werden Norbert Meisinger zum Wehrführer und Andreas Schwarz zu seinem Stellvertreter gewählt und ernannt.

Den Vereinsvorsitz übernimmt Hans-Peter Zinn. Johann Polheim trat von seinem Amt zurück.

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Feuerwehr und Computer

Seit 1995 ist auch die Roggauer Feuerwehr am Netz. Das Computerzeitalter ging nicht spurlos an uns vorüber. In einer landesweiten Aktion wurden die hessischen Feuerwehren mit PC’s ausgestattet. Von nun an regiert Florix. Aus Vereinsgeldern wurden 4 Nomex-Feuerschutzjacken gekauft.

2 Jahre später werden nach einem tödlichem Unfall alle hessischen Feuerwehren mit mindestens 4 Nomex Schutzanzügen ausgerüstet.

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1996 in jeder Hinsicht ereignisreich

Am 29.Juli 1996 kommt es am Abend zu einem der schlimmsten Unwetter.

Dabei werden große Teile der Ernte in weinigen Minuten durch Hagelschlag vernichtet. Zahlreiche Rolläden müssen erneuert, und einige Keller müssen ausgepumpt werden.. Auf der Straße liegen Hagelkörner bis zu 40 cm Höhe.

Auf der L3351 zwischen Burg-Gräfenrode und Ilbenstadt kommt es am 23. Mai zu einem Frontalzusammenstoß zweier Fahrzeuge. Hierbei wird eine Person getötet und vier verletzt.

Die gute Nachricht: „Der Mitgliederbestand steigt auf über 300“ an.

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Auch 1997 gilt es aus Vereinsgeldern zu investieren. 4 Handfunksprech-

Geräte werden gekauft. Am 28. Juni wird das neue Gerätehaus für die Wehren in Klein- und Groß-Karben seiner Bestimmung übergeben. Das neue Haus hat eine zentrale Funktion für die Karbener Wehren. Unsere Anwesenheit ist von kurzer Dauer, da wir zu einem schweren Verkehrsun-

fall mit eingeklemmten Personen gerufen werden. Bei der Anfahrt stellen wir fest, daß ein Fahrzeug brennt. Eine Person wurde schwer, eine weitere leicht verletzt.

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28. Mai 1999 –Schlammlawine in Roggauer Häusern und Straßen-

Es sollte der längste und schwierigste Einsatz unserer Wehr werden. Es war ein wahrhaft schwarzer Tag der gesamten Einwohnerschaft. Neben den Feuerwehren aus allen Karbener Stadtteilen eilte das Technische Hilfswerk aus Bad Homburg und Friedberg herbei und gab uns die notwendige Unterstützung. Bedingt durch einen sehr hohen Niederschlag, stauten sich

enorme Wassermengen am Kaicher Weg, fluteten viele Keller, ließen Oeltanks vollaufen, Dosen- und Flaschencontainer und einen Pkw wirbelten wie Spielbälle durch den Kaicher Weg. Mauern wurden umgedrückt usw.

Im gleichen Jahr feierten wir mit unseren Kameraden in Hirschbach die 25-jährige Partnerschaft.

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Kein Supergau, Wachwechsel im Vorstand und Großbrand auf dem Marienhof

Das neue Jahrtausend begann ruhig. Alles lief ruhig an, vielleicht zu ruhig. Zahlreiche Einsatzkräfte verzichteten auf alkoholische Getränke und trafen sich im Gerätehaus. Es blieb ruhig !

In der Jahreshauptversammlung wird Wilhelm Hahn neuer Vereinsvorsitzender und löst Hans-Peter Zinn ab.

Am 20. Januar gegen 21 Uhr wird Alarm für den Marienhof ausgelöst.

Eine große Scheune mit ca. 1000 Rundballen Stroh steht in Flammen. Angrenzende Gebäude und ein Flüssiggastank stehen in unmittelbarer Gefahr. Außer den Feuerwehren aus Karben sind die Wehren aus Nidderau sowie Großtanklöschfahrzeuge aus dem gesamten Main-Kinzig Kreis her- beigeeilt. Der Einsatz endete erst am 22.Januar 2000.

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Zusammenfassung

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr beteiligen sich an vielen Veranstaltungen in uneigennütziger Weise. Erwirtschaftete Erlöse fließen auf vielerlei Wegen wieder zurück, d.h. sie kommen in direkter Weise den Spendern wieder zugute. Die Roggauer Wehr ist sowohl im Stadtverband der Freiwilligen Feuerwehren Karben als auch in den Ortsvereinen integriert. Viele Mitgliedschaften sind sogenannte Doppel- bzw. Mehrfach-Mitgliedschaften. Man ist Mitglied in der Feuerwehr, im Sportverein, im Gesangverein, im Schützenverein, in den Kegelclubs usw. Die eigene „Hauptveranstaltung“ ist jedoch der Tag der offenen Tür. Hier bleiben in Burg-Gräfenrode die Küchen kalt, gilt es doch dem Hesse Karl sei Erbsesupp zu verzehrn.

Die Einsatzabteilung richtet alle drei Jahre die Kerb aus. Man beteiligt sich am Sylvesterschießen des Sportschützenvereins, dem Sommerfest der FSG, dem Beatchvolleyballturnier und dem Ilbenstädter Gaudiwettkampf.

Viel Zeit wird von unseren Kameraden in Aus- und Weiterbildung investiert.

Diese geschieht vor Ort, auf Stadt- und Kreisebene aber auch auf Landes-ebene in der Landesfeuerwehrschule Kassel. Der Wandel in den Feuer- wehren ist auch an Burg-Gräfenrode nicht vorübergegangen. Aus der einst eigenständigen Feuerwehr wurde ein Mitglied im Stadtverband!

Anschaffungen oder Veränderungen werden nur in Absprache mit allen vorgenommen.

In einer Stadt mit über 20.000 Einwohnern, mit einem der größten Gewerbegebiete im Kreis, mit zahlreichen Bundes- und Landstraßen sowie der Main-Weser-Bahn würde uns als einzelne Stadtteilwehr total überfor- dern. Dies ist zwischenzeitlich auch dem letzten „Kirchturmdenker“ klar geworden.

Die alten Sprüche gewinnen hier ihre volle Gültigkeit:

·Einer für alle, Alle für einen

oder

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

Karben / Burg-Gräfenrode,

im November 2000

Winfried Danz